Samstag, 7. Januar 2017

Lang lang ist's her...

Erst einmal – sorry! Ich weiß, dass ich mich ewig nicht gemeldet habe. Zu allererst wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr 2017, in das ihr hoffentlich alle gut gestartet seid. Auf dass all Eure Wünsche und Ziele in Erfüllung gehen, alle gesund bleiben und es ein erfolgreiches Jahr wird!
Seit dem letzten Post ist dementsprechend auch so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich werde Euch leider auch nicht alles erzählen können, denn das würde den Rahmen sprengen, aber das Wichtigste sollt Ihr wie immer erfahren!

Auch hier ging es natürlich in riesigen Schritten auf das Weihnachtsfest zu – nur dass ich rein vom Gefühl her noch so bei Mitte August bin und Weihnachten irgendwie noch gaaanz weit weg war. Irgendwie ist es fast absurd, dass Weihnachten nun schon rum ist, ein bisschen so als hätte ich es verschlafen. Das Weihnachtsgefühl blieb aber auch nicht nur wegen dem sich absolut nicht verändernden Klima aus (es ist einfach immer noch viel zu warm!), sondern auch generell auf den Straßen kam wenig Weihnachtsfeeling auf. Erst in den letzten Tagen vor Weihnachten wurden ein paar Schaufenster geschmückt und ab und an trällerte hier und da mal „Jingle Bells“ oder „Stille Nacht“. Um das Weihnachtsgefühl trotzdem wenigstens ein bisschen aufkommen zu lassen, wurden ein paar in unserer WG aber kreativ und haben auf ganz eigene Weise einen großen und schönen Adventskranz gebastelt.

Das war am ersten Advent, als dann das erste Lichtlein an unserem Adventskranz brannte.
Der ein oder andere hat einen Adventskalender geschickt bekommen und auch ich habe mein Adventskalender-Windlicht als Weihnachtsdeko für die gesamte WG spendiert. Und was wir uns in der WG noch ausgedacht haben: Weihnachtswichteln!!! Eine so schöne Idee, wie ich finde, die sich vor allem mit 8 Leuten, die wir momentan in der WG sind, richtig gut umsetzen ließ! Alle Namen wurden vor ein paar Wochen auf kleine Zettel geschrieben und jeder hat einen Namen gezogen, der auch die ganze Zeit nicht verraten wurde. Und dann, am Dienstagabend vor Weihnachten war es dann so weit und wir haben nach einem kleinen Weihnachtsessen mit Wunschgetränken, die wir sonst nicht haben, die Weihnachtsbescherung vom 24. auf den 20. Dezember vorgezogen, da am Donnerstag Lea und Lena bereits ihre Reise starten wollten. Und dieser Abend war wirklich ein voller Erfolg und wunderschön! Nach und nach haben wir alle unsere Geschenke ausgepackt, waren teilweise erstaunt, wie gut wir uns untereinander schon kennen, weil manche Geschenke einfach gepasst haben, oder wir waren erstaunt, wie gut manche in den letzten Wochen ihre Ohren gespitzt haben nach Wünschen, die geäußert wurden, die an diesem Abend strahlend erfüllt wurden. Es war einfach ein so schöner Abend und es hat mich so gefreut, jeden einzelnen strahlen zu sehen! Am Ende, nachdem jede ihr Geschenk ausgepackt hatte, ging es ans Herausfinden, wer wohl der Wichtler war und von wem man sein Geschenk bekommen hat. Zuerst lag ich falsch, aber am Ende war es bei mir logisch: Unsere Schweizerin Patricia hat mir ein Stück aus meiner Heimat und ein Stück aus ihrer Heimat geschenkt, denn ich durfte mich über ein Stück geliebten Parmesankäse und Toblerone freuen. Das konnte ich in den Tagen danach beides Stückchen für Stückchen genießen.

Essensausgabe an alle, denn ich hatte für alle gekocht :) (Foto: Stella)

Gemütliches Beisammensein mit Lichterkettenschein :) (Foto: Stella)

Unser Adventskranz, um den wir alle Geschenke gelegt haben. (Foto: Stella)

Und noch einmal der Adventskranz mit Geschenken und brennenden Kerzen. Einfach eine schöne Atmosphäre! (Foto: Stella)

Den zweiten Adventssonntag haben ein paar von uns auch ganz untypisch am Strand verbracht. Für mich ist das Gefühl wirklich fast paradox, da ich es einfach mein Leben lang gewöhnt bin, Weihnachten bei Kälte oder sogar Schnee zu feiern. Dass ich also an diesem Tag im warmen Meer baden war und mich unter Palmen gesonnt habe, ist für mich sogar beim Zurückdenken noch ein sehr komisches Gefühl – aber es hat was! Normalerweise haben wir sonntags auch unseren Ewe-Kurs, doch an diesem Tag ist er ausgefallen, da unsere Lehrerin an diesem Wochenende umgezogen ist. Als hätte jemand gewusst, dass wir viel lieber längere Zeit am Strand verbringen. Zum Ausklang des Abends haben wir uns mit denen, die nicht mit am Strand dabei waren, abends in einem unserer Stammrestaurants zum Pizzaessen verabredet, was das Wochenende wirklich schön abgerundet hat.

Ein Ereignis, was auch noch wunderbar in die (Vor-)Weihnachtszeit passt, war mein Auftritt als „Maman Noel“ bei Patricia im Projekt. Einen Tag vorher kam spontan und etwas kurzfristig die Nachricht  von Patricia, ob denn jemand Lust hätte, bei ihr den Weihnachtsmann (oder eben die Weihnachtsfrau) zu spielen und zum Anlass einer kleinen Weihnachtsfeier mit allen Kindern und deren Eltern die Geschenke zu verteilen. Ich habe mir die Aktion sofort lustig vorgestellt und somit habe ich mich direkt gemeldet, worauf Patricia und ihre Chefin sehr glücklich waren, dass so kurzfristig und schnell jemand eingesprungen ist. Freitagsnachmittags bin ich dann also dort angekommen und nach kurzem Warten wurde ich zum Verkleiden in einen der versteckteren Räume gerufen. Dann bekam ich das wohl professionellste Weihnachtsmannkostüm, das man hätte auftreiben können, denn es fehlte wirklich an nichts. Von Mütze, weißen Haaren und weißem Bart bis hin zu dickem Bauch und großer Hose, weißen Handschuhen und schwarzen Schuhen wurde an alles gedacht. Sehr authentisch, also der perfekte Coca-Cola Weihnachtsmann ;-). Wie man sich aber vielleicht vorstellen kann, war es unter dem Kostüm bei der hier herrschenden Hitze aber dementsprechend heiß. Für das Kinderlachen und die Freude der Kleinen habe ich das aber für die paar Stunden in Kauf genommen. Ich bekam dann zunächst eine Tüte voll mit Bonbons und Keksen, die ich bereits bei meiner Ankunft verteilen sollte und danach durfte ich mich vor das Publikum auf einen extra für mich hergerichteten Stuhl setzen (auf den Gott sei Dank sogar ein Ventilator gerichtet war – extra vom lieben Christian für mich organisiert, da er letztes Jahr die Qual des Schwitzens als Weihnachtsmann durchleben durfte). Anschließend wurde mir mal von allen oder einigen Kindern zusammen Weihnachtslieder, Gedichte und Sprüche vorgetragen, die sie schon gelernt hatten, mal kamen sogar einige Kinder alleine zu mir nach oben, um mir etwas aufzusagen und zu zeigen, was sie können. Zwischendurch wurde etwas Musik angemacht und die Kinder durften mit mir tanzen. Einige waren ganz entzückt und begeistert, voller Freude und Begeisterung, andere wiederum wussten entweder nicht so genau, wie sie auf mich reagieren sollten oder waren wirklich sehr verängstigt, sodass sogar ein paar Tränen flossen. Nichtsdestotrotz freuten sich alle Kinder sehr über ihre Geschenke, die sie nach und nach abholen durften, nachdem ihr Name genannt wurde. Alles in allem eine lustige und schöne Aktion, die nicht nur mir, sondern natürlich auch dem Publikum und vor allem den Kindern großen Spaß bereitet hat.

Wie man sieht, hatten wir schon viel Spaß beim Verkleiden! (Foto: Hannah)

Die Chefin der Einsatzstelle rückte noch ein letztes Mal den Bart zurecht... (Foto: Hannah)

...und zusammen mit Christian schaute sie, dass auch alles gut saß... (Foto: Hannah)

...bevor es dann unter die Kinder ging und ich ihnen zunächst Süßigkeiten verteilen durfte. (Foto: Hannah)

Dann ging es ans Gedichte und Lieder vortragen, wofür die Kinder zu mir auf die Bühne kamen. (Foto: Hannah)

Und dann gab es für alle Geschenke und noch mehr Süßes! Ein gelungener Nachmittag :) (Foto: Hannah)

Wie ich schon in meinem letzten Blogpost erwähnt hatte, habe ich meine ersten Stoffe zu einer Schneiderin gebracht, die mir nun zwei schöne Kleider und eine Hose gezaubert hat. Beim Abholen brauchte es noch ein bisschen Geduld, da einige Sachen noch einmal umgenäht werden mussten, damit sie perfekt saßen, aber nun halte ich drei wunderschöne neue Kleidungsstücke in der Hand! In nächster Zeit werde ich auf jeden Fall noch mehr Stoffe wegbringen und vielleicht mal noch die ein oder andere Schneiderin ausprobieren, bis ich jemanden gefunden habe, der meine Vorstellungen am besten erfüllt und meine Sachen zuverlässig passend schneidert.

An einem der Wochenenden in der Vorweihnachtszeit habe ich mit Lea und Lena mal wieder ein bisschen „den Touri raushängen lassen“ und wir sind nach Lomé auf den Fetischmarkt gefahren. Wir bekamen dort eine Führung über den gesamten Markt und uns wurden unglaublich viele Sachen erklärt und unsere Fragen beantwortet. Dieser Fetischmarkt ist zum Beispiel nicht für die „magie noire“, sprich nur für positive und gute Dinge, die geschehen sollen. Dort konnte uns also keiner den Teufel auf den Hals hetzen ;-). Stattdessen gab es ganz viele kleine Kettchen, Figuren oder andere selbstgebastelte Dinge, die alle verschiedene Bedeutungen haben. Zum Beispiel gibt es einige Dinge, die einfach nur zum eigenen Schutz dienen oder zum Schutz der Familie und des Hauses, andere Dinge sind für die Liebe und wieder andere Dinge sind gegen Krankheiten und für die Gesundheit. Außer der selbst gebastelten Sachen gab es noch unzählige tote Tiere – von Hundetotenköpfen über verschiedene Felle bis hin zu toten Schlangen oder Schildkröten. Von A bis Z war alles dabei, etwas gewöhnungsbedürftig, dann einfach so über den Markt zu spazieren – vor allem noch bei dem markanten Geruch – aber auf jeden Fall sehr interessant, wenn man erklärt bekam, wie und wofür welches Tier verwendet wird. Hinter den Marktständen befanden sich Stände, in die man hereingehen konnte und das war der Ort, an dem die Fetischisten letztendlich aktiv werden. Auch wir durften zu einem Fetischisten herein und hätten auch etwas bei ihm kaufen können und tatsächlich darum bitten können, unsere Familie oder uns selbst zu schützen. Aber natürlich muss man daran auch glauben – und ganz ehrlich: ein bisschen unheimlich und gewöhnungsbedürftig fand ich das auch. Ein Besuch war es aber auf jeden Fall wert, denn wir haben wirklich unglaublich viel Neues erfahren. Fotos habe ich von diesem Besuch leider nicht, dafür hätten wir bezahlen müssen und dann war es uns doch lieber, mit dem bloßen Auge und nicht durch die Linse zu erleben!

Eine weitere Sache, was sich spannendes ereignet hat in den letzten Wochen ist ein Schwimmprojekt, das Hannah, eine Mitfreiwillige, mit mir zusammen gestartet hat. Hannahs Einsatzstelle nennt sich „Avenir Enfance Togo“ und umfasst ein Heim, in dem etwa 10 Kinder verschiedenen Alters wohnen und ein Hopital, also eine Krankenstation. Sie arbeitet mittlerweile aber nur noch im Heim und geht ab und zu noch mit den Kindern in die Schule, um dort Englischunterricht zu geben.
Anlässlich des Projekts gehen Hannah und ich nun etwa dreimal im Monat mit ein paar Kindern aus der Schule und aus dem Heim in ein Schwimmbad, um mit ihnen Schwimmen zu lernen, da es hier absolut nicht selbstverständlich ist, dass dies den Kindern wie bei uns von klein auf beigebracht wird. Das Projekt wurde in den letzten Jahren von Vorfreiwilligen schon initiiert und dieses Jahr wird es durch uns (natürlich größtenteils von Hannah) weiterhin unterstützt. Hannah hat dafür Spenden gesammelt, um dieses Projekt zu finanzieren, denn natürlich muss Transport und Eintritt für die Kinder gezahlt werden. Weil sie weiß, dass ich aktuell nicht allzu viel mit Kindern zu tun habe, dass ich das Projekt genauso unterstütze wie sie und motiviert dafür bin, hat sie mich gefragt, ob ich das gerne mit ihr machen möchte – und ich habe das natürlich strahlend bejaht!
Anfang Dezember sind wir beide also das erste Mal mit den Kindern schwimmen gewesen. Wir haben uns auf einen Samstag geeinigt und so sind wir an diesem Tag mit Badesachen bepackt und einer Meute aufgedrehter, aufgeregter und strahlender Kinder zu einem Schwimmbad gefahren, wo wir circa eine Stunde mit den Kindern im Wasser waren. Zwei bis drei waren dabei immer mit uns im großen Becken, um einige Schwimmübungen und erste Versuche zu starten, während die anderen sich im nicht so tiefen Becken austoben durften. Einige sind wirklich sehr talentiert! Wenn wir das Projekt von nun an regelmäßig fortsetzen, machen sich die Fortschritte ganz bestimmt schnell bemerkbar! Anschließend gab es für jedes Kind noch entweder ein Eis oder ein Getränk und auf dem zum Schwimmbad gehörenden Spielplatz ließen wir die Kinder noch ein wenig spielen, bevor wir alle erschöpft von diesem Ausflug wieder zurückkehrten.
 Ich freue mich jedenfalls unglaublich darüber, dass Hannah sich dazu entschieden hat, mich daran teilhaben zu lassen und ich bin gespannt auf unsere nächsten Schwimmstunden mit den Kindern!

Zu dem etwas unangenehmeren Teil der Vorweihnachtszeit gehörte das Wochenende vor Weihnachten, das eigentlich gar nicht so schlecht angefangen hatte.
Samstags nachmittags war ich bei Alina mit beim Deutschkurs von Midjo-Togo, einer weiteren Organisation hier in Lomé, die unter anderem für einige Kinder und Jugendliche mit deutschen Freiwilligen immer samstags den Kurs anbieten, bei dem die Kindern auf eine spielerische Art und Weise Deutsch lernen können. Mara und Alina hatten sich damals direkt gemeldet, als die Anfrage von der Organisation kam, ob sich auch dieses Jahr wieder Freiwillige bereit erklären würden, den Kurs, der von Vorfreiwilligen gestartet wurde, fortzusetzen. Da an diesem Tag Mara aber leider arbeiten musste, bin ich mitgegangen, um mir das Ganze auch einmal anzuschauen. Und das war wirklich ein unglaublich schöner Nachmittag. Mara und Alina hatten mit den Kindern schon vorher ein paar Weihnachtslieder, wie Kling Glöckchen Klingelingeling oder Oh Tannenbaum gesungen und auch an diesem Nachmittag setzten wir das fort und tanzten außerdem eine ganze Menge. Nicht zu vergessen war die Vorbereitung auf die anstehende Weihnachtsfeier, bei der die Kinder natürlich auch etwas vorführen sollten und so probten wir und hatten dabei riesig Spaß. Dazu gesagt werden muss, dass alle betreuenden Mitglieder der Organisation auch so nett sind, dass man sich von Anfang an einfach nur wohlfühlen kann. Anders geht das wirklich nicht, denn man wird so lieb willkommen geheißen und in die „Midjo-Togo-Familie“ (so nennen sie sich selbst) aufgenommen, dass man sich fühlt, als wäre man dort schon seit Ewigkeiten aktiv.

An diesem Samstag hatten wir jedoch wirklich ein vollgepacktes Programm, und so ging es direkt danach weiter zur Neueröffnung des Restaurants unseres Freundes Yannick, der in letzter Zeit deswegen ständig beschäftigt und natürlich auch etwas gestresst war. Bei der Eröffnung anwesend zu sein hatten wir ihm also versprochen und das wollten wir dann natürlich auch einhalten. Wir stiegen zu fünft ins Taxi (Lea & Lena waren zu diesem Zeitpunkt schon auf ihre Reise gestartet, Stella war an diesem Abend nicht dabei), um nach Baguida (ein Quartier in Strandnähe) zu fahren. Im Restaurant wurden wir lieb begrüßt und natürlich vom Chef persönlich willkommen geheißen, zu einem Platz geführt und uns wurde Sekt und kleine Häppchen gebracht, bevor wir dann gemeinsam noch etwas Richtiges zu essen bestellten und Christian noch dazu stieß.

Wir Mädels mit Yannick am Tisch, vlnr.: Mara, ich, Patricia, Cindy, Alina und Yannick (Foto: Facebookseite Wings 'n Shake)

Und noch einmal ein Gruppenfoto vor dem Eingang des Restaurants. Ganz rechts ist diesmal auch Christian noch mit auf dem Foto. (Foto: Facebookseite Wings 'n Shake)

Bis hierhin verlief der Tag noch wirklich positiv, doch anschließend sollte es zur anderen WG gehen, denn da wurde kurzfristig eine Abschiedsparty veranstaltet. Tabea, eine weitere Mitfreiwillige, trat schon am Tag darauf früh morgens vorerst ihre Rückreise nach Deutschland an, da sie im Moment solche gesundheitlichen Probleme hatte, die man hier nicht mehr richtig in den Griff bekam. Vorerst wird also die Behandlung in Deutschland fortgesetzt, damit sie vielleicht so bald wie möglich wieder zurückkehren kann und ihr Freiwilligenjahr hier regulär zu Ende bringen kann. Gott sei Dank war die Stimmung trotzdem nicht allzu gedrückt, obwohl es natürlich alle bedauern, dass die erste von uns vorzeitig nach Hause musste.
Nach und nach verabschiedeten sich alle wieder in kleinen Grüppchen, bis letztendlich nur noch Mara und ich als letztes blieben. Auch wir entschieden uns dann, gemeinsam den Heimweg anzutreten und obwohl der Heimweg vielleicht 10 Minuten dauert, war die Entscheidung zu laufen an diesem Abend doch eher die falsche Entscheidung. Denn circa 30 Meter vor unserer Haustür wurden wir beide von zwei bewaffneten Männern überfallen. „Überfallen“ hört sich vielleicht sehr wüst an und es war auch absolut ein schlimmes Erlebnis, das ich in meinem Leben nie nie wieder erleben möchte, aber wir hatten Glück im Unglück, denn wir blieben körperlich unversehrt. Man nahm uns aber drohend unsere beiden Taschen mit Handy, Geldbeutel und Haustürschlüsseln und ganz schön vielen wichtigen Dokumenten. Mara hat sogar ihre „druckfrische“ Carte de séjour (also unsere Aufenthaltsgenehmigung, etwa in Form eines deutschen Persos) entwendet bekommen, die nun noch einmal erstellt werden muss, was natürlich ganz schön viel kostet und außerdem unnötig lange dauert. Ich hatte meine zum Glück zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abgeholt. Nun habe ich sie auch bekommen, doch ab sofort wird diese nur noch in kopierter Form mitgeführt. Wir mussten unsere WG-Mitglieder aus dem Bett klingeln und waren aber unglaublich glücklich über deren Reaktion, denn wir wurden in dieser Situation wirklich von ihnen aufgefangen. Ohne sie hätte ich in diesem Moment nicht gewusst, was ich machen soll. Monsieur Sani kam noch in der Nacht bei uns vorbei, nach dem er unsere Mitfreiwillige beim Flughafen abgesetzt hatte und vor allem Christian und Chris waren unglaublich fürsorglich und immer für uns da, machten die vielen Touren zur Polizei mit uns durch, besorgten neue Handys und alles, was wir brauchten. Ich bin also wieder einmal unglaublich dankbar, diese Personen um mich herum zu haben, sei es meine WG, andere deutsche Mitfreiwillige und Freunde oder unsere togoischen Freunde. Und natürlich haben wir daraus gelernt und hoffen, dass so etwas so schnell nicht mehr passieren wird!

Meine carte de séjour halte ich nun auch endlich in den Händen und passe besonders gut darauf auf!

Tja und um natürlich nicht den Aspekt meiner Arbeit zu vergessen: Ich habe nun vor den Feiertagen ordentlich Druck gemacht und mit beiden Chefs gesprochen, dass ich nun endlich eine Veränderung möchte. Auch nach fast 4 Monaten bin ich noch immer nicht richtig in meiner Einsatzstelle angekommen und werde von Tag zu Tag frustrierter, Kollegen kommen und gehen, sodass auch der Kern des Zentrums noch nicht richtig gefestigt ist und Projekte werden zwar angekündigt, aber nicht durchgesetzt. Und bevor ich noch weitere Zeit verliere (denn die Zeit rennt wirklich!!), muss sich wirklich grundlegend etwas verändern oder ich werde mir zusammen mit unserem Koordinator eine neue Einsatzstelle suchen. Ich bin schließlich auch nicht erst der erste Versuch in meiner Einsatzstelle, denn auch schon zwei Generationen vor mir hatten dieses Projekt bereits vorzeitig verlassen. Jetzt wird es auf jeden Fall spannend – denn vielleicht wird sich so fundamental etwas ändern oder ich werde in ein paar Wochen vielleicht sogar schon eine ganz andere Einsatzstelle aufsuchen! Darüber werde ich Euch natürlich auf jeden Fall auf dem Laufenden halten!

Soweit zunächst zu diesem Eintrag, der sowieso schon wieder viel zu lang geraten ist – wirklich sorry dafür! Aber ich hatte nun auch wirklich viel aufzuholen. Ein zweiter Blogeintrag zur letzten Zeit wird noch kommen, da wir zwischen Weihnachten und Neujahr eine kleine Reise in den Norden Togos unternommen haben und auch da gibt es absolut einiges zu berichten!

Bis dahin verabschiede ich mich zunächst einmal und hoffe, Ihr seid nun nicht eingeschlafen vom zu vielen Lesen!

Ganz viel Wärme zu Euch allen nach Hause! :-)

Eure Valentina



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