Erst einmal
ein großes Sorry dafür, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe! In letzter
Zeit ist recht viel passiert und ich hatte immer wieder vor, mich um meinen
Blog zu kümmern, aber nie bin ich richtig fertig geworden. Da jetzt aber alles
in einem Eintrag wohl etwas zu lang werden würde, möchte ich die folgenden
Einträge einfach splitten und zwei daraus machen, um euch zu berichten, was in
den vergangenen zwei Wochen alles passiert ist!
In diesem
ersten Blogeintrag soll es um die offizielle Eröffnung meiner Einsatzstelle
gehen, zu der ich am Samstag, den 1. Oktober eingeladen war. Zuvor wurde mir
gesagt, dass mich gerne auch andere noch begleiten dürften und so entschied
sich Lea dazu, mitzukommen und ebenfalls an der Veranstaltung teilzunehmen. Als
ich freitags meinen Chef anrief, um auch mal zu klären, wie es generell am
nächsten Tag ablaufen würde, sagte dieser mir, dass er Lea und mich um 6:30 Uhr
in der Frühe zu Hause abholen würde – ganz schön früh für so einen Samstagmorgen…
Letztendlich wurden wir auf togoische Art erst um viertel vor 8 abgeholt und
hätten uns eigentlich eine Stunde mehr Schlaf gönnen können, denn ausgerechnet
an diesem Morgen waren auf der Straße zu meiner Einsatzstelle Straßenputz- und
Aufräumarbeiten, die vor allem für die Autos die gesamte Straße blockierten.
Zudem wurden wir auch nicht zusammen abgeholt; Lea wurde als erstes schon von
Nicolas auf dem Moto mitgenommen, meinem Fahrer, der mich sonst jeden Tag zur
Arbeit fährt. So blieb Lea das „Erlebnis“ meiner täglichen Fahrt zur Arbeit auf
seinem nicht mehr ganz so neuen und funktionsfähigen Moto auch nicht erspart.
Ich hingegen wurde wenig später von meinen beiden Chefs mit dem Auto abgeholt
und besetzte neben Kollegen und weiteren Gästen den letzten Platz im Auto. Der
Hinweg gestaltete sich also wegen der bereits genannten Arbeiten etwas
schwierig, aber nachdem wir uns durch den Stau geschlängelt hatten, kamen wir
wohlbehalten alle bei meiner Einsatzstelle an. Seit dem Vortag hatte sich sogar
nochmal etwas getan, denn nun hingen die fertigen Schilder über den einzelnen Türen,
damit man auch erkennen konnte, wofür welcher Raum in Zukunft zur Verfügung
stehen wird und auch der gesamte Hof war bestuhlt. Kurz nach 9 Uhr kamen auch
schon die ersten Gäste und nach und nach trudelte gefühlt das gesamte Dorf ein:
Frauen mit ihren Kindern, die traditionellen Dorfchefs und sonstige höhere
geladene Gäste – und alle natürlich dem Anlass entsprechend im traditionellen
Pagne (so heißt hier der Stoff), sodass bald eine ganz bunte Menge voller
Menschen den Hof füllte. Schon auf dem Programmblatt, das mir zu Anfang in die
Hand gedrückt wurde, konnte ich entdecken, dass ganz offizielle Gäste, wie zum
Beispiel Vorstände von Gesundheitsorganisationen hier vor Ort oder auch
verschiedene Dorfchefs, eingeladen waren. Um diese alle zu begrüßen, wurde die
Menge durch das Mikrofon gebeten, sich vor den Eingang nach draußen zu begeben.
Dann wurde eine Reihe gebildet, an der all die „VIP’s“ vorbeigingen und uns einzeln
die Hand schüttelten. Während wir sie somit Willkommen hießen, sangen die
„femmes dynamiques d’Akplomé“, eine Gruppierung von Frauen aus dem Dorf, in dem
das medizinisch-soziale Zentrum liegt, traditionelle Willkommenslieder auf Ewe,
alles nur von rhythmischem Klatschen begleitet. Anschließend gingen wir hinter
den offiziellen Gästen alle gemeinsam wieder in den Hof, in dem sich alle Gäste
setzen durften. Lea und ich sollten uns ebenfalls neben unsere Chefs und den
geladenen Gästen in die erste Reihe setzen, wobei es uns beiden eher unangenehm
war. Lea gelang es dann tatsächlich, so lange zu zögern, bis die erste Reihe
bereits komplett besetzt war und sie sich hinter mich in die zweite Reihe
setzen konnte. Anschließend begann das Programm und es wurde eine Rede nach der
anderen gehalten. Leider waren nicht alle Reden auf Französisch, sondern
größtenteils auf Ewe, sodass ich nur einen Bruchteil von allem, was gesagt
wurde, verstanden habe. Alle waren aber sehr erfreut über die Anwesenheit der
vielen Menschen, man sprach von einer Bereicherung für das Dorf und den Umkreis
und freute sich auf die kommende Zusammenarbeit. An neunter Stelle im Programm
kamen dann auch meine beiden Chefs zu Wort. Als von dem einen meiner beiden
Chefs alle Mitarbeiter des Zentrums vorgestellt wurden, war ich zunächst etwas
überrascht, dass ich mit keinem Wort erwähnt wurde, was sich aber kurz darauf
erledigte, da mein anderer Chef anschließend fast nur noch von mir redete und
mich erneut Willkommen hieß und den anwesenden Dorfbewohnern und Gästen
vorstellte. Ganz überraschend musste ich dann auch noch zu ihm nach vorne und
nachdem er mit Reden fertig war, passierte genau das, wovon ich in den paar
Minuten, in denen ich neben ihm vorne stand, hoffte, dass es nicht passieren
würde, aber natürlich drückte er mir das Mikrofon in die Hand. Ich war wirklich
unvorbereitet und kurz etwas mit der
Situation überfordert, aber als ich mich von meiner kurzen Schnappatmung wieder
erholt hatte, fing ich auf Französisch an, ein paar Worte zu sagen, die mir spontan
in den Kopf kamen. So sagte ich also, dass es für mich eine Ehre sei, an dieser
offiziellen Zeremonie teilzunehmen, so nett von allen empfangen zu werden und
außerdem, dass ich mich natürlich auf die Zusammenarbeit freue. Ich wollte das
Mikrofon schon wieder zurück an meinen Chef geben, als er mir noch zuflüsterte,
ich solle mich doch auf Ewe bedanken. Kurzerhand sagte ich also ein „Akpé kaka
loo“ ins Mikrofon, worauf die Menge so positiv überrascht und erfreut mit ihrem
„Yoo“ antwortete, dass es mich wirklich sehr berührte. Im Nachhinein hätte ich
noch so viel mehr sagen können, was mir wichtig erschien, aber ich war zuvor
einfach zu überrascht, um mir noch mehr klare Worte im Kopf zu Recht zu legen
und zudem waren die Gäste von meinem kurzen Ewe-Einschub begeistert genug. Mit
dem Ende der Reden endete dann auch insgesamt der offizielle Teil und während
Musik abgespielt wurde, wurden für alle Gäste von den Frauen fertig geschmierte
Baguette-Brötchen verteilt und zudem gab es natürlich auch etwas zu Trinken.
Lea und ich dachten, es sei damit für die Zeremonie getan, aber die
„offiziellen“ Gäste wurden anschließend noch in den Raum geführt, der
eigentlich das Büro meiner Chefs darstellt. Doch an diesem Tag wurde dieser
Raum zu einem Essensraum umfunktioniert, denn es waren kleine Tische gedeckt
und bestuhlt und so bekamen Lea und ich auch noch einen großen Teller Salat und
Brot und uns wurde sogar Rotwein angeboten. Nachdem wir dann auch fertig
gegessen hatten, waren die meisten Gäste aus dem Dorf schon wieder weg und auch
der Hof wurde in der Zwischenzeit wieder von den Stühlen und Tischen befreit. Kurz
statteten wir dem Dorfchef persönlich noch einmal einen Besuch bei sich zu
Hause ab. Wir begegneten ihm in seinem Hof auf seinem alten Holzstuhl wieder,
nachdem er und seine Frau ihre traditionellen Pagne (bei dieser Hitze
verständlicherweise) schon abgelegt hatten. Vor lauter offiziell eingeladenen
Gästen erkannte ich ihn peinlicherweise nicht sofort wieder, da er natürlich
ohne die traditionelle Bekleidung auch gleich ganz anders aussah. Es wurde sich
kurz auf Ewe unterhalten, bevor wir den Hof wieder verließen und zum Zentrum
zurückkehrten.
Meine beiden
Chefs riefen als letzten Teil der Eröffnungsfeier noch einmal alle Mitarbeiter
zu sich in ihr Büro, wo wir den Ablauf der Zeremonie und die Worte der vielen
Gäste noch einmal reflektierten und vorausblickend über die Ziele des Zentrums
sprachen. Dabei wurde vor allem mehrfach betont, dass nicht nur die Leistung
des Teams zähle, einen Patienten wieder gesund zu pflegen und gut zu behandeln.
Viel wichtiger ist es ganz nach der togoischen Mentalität, alle Personen – ob
Kranke oder nicht Kranke, Schwangere, Kinder oder Begleiter von Kranken – in
jedem Fall herzlich willkommen zu heißen und gastfreundlich zu begrüßen. Zitat von einem meiner Chefs: „Si un ou
une malade entre et voit votre sourire, surtout le sourire de notre volontaire,
la personne sera déjà demi guérie!“. Zu Deutsch: „Wenn ein Kranker oder
eine Kranke hereinkommt und euer Lachen, vor allem das Lachen unserer
Freiwilligen, sieht, ist die Person schon wieder halb gesund!“. Dies betonten
sie also so oft es nur ging, bevor sie uns allen für den Tag dankten, auf gute
Zusammenarbeit hofften und uns anschließend für den Tag entließen. Lea konnte
bereits mit Nicolas auf dem Moto vor fahren; meine Chefs und ich machten noch
kurz einen Zwischenstopp bei einer Familie im Dorf, die die Einweihungsfeier
offensichtlich verschlafen hatte, da sie davon ausgegangen waren, dass sie um
14 Uhr beginnen würde. Vor allem der Mann war sichtlich enttäuscht, freute sich
aber dennoch über unseren Besuch und sagte auch mir explizit, dass ich das
Zentrum sicher weiterbringen werde und der Bevölkerung auf jeden Fall etwas Gutes
tun würde. Über diese Worte, sowie über all die anderen positiven Resonanzen
dieses Tages freute ich mich sehr und war nach diesem Vormittag wieder
zuversichtlicher. Insgesamt hat mir der Tag einfach sehr gut gefallen und
außerdem hat es gezeigt, dass sich so langsam etwas tut und Bewegung in meine
Einsatzstelle kommt. Müde, aber zufrieden konnte ich dann also am
Samstagnachmittag so richtig in mein Wochenende starten, mit wieder mehr
Hoffnung für die neue Arbeitswoche :) !
...Und da ein paar Fotos wie immer nicht fehlen dürfen... :)
| Ganz links im Bild ich und rechts neben mir einer meiner Chefs - natürlich in der ersten Reihe, während die "femmes dynamiques d'Akplomé" singen und tanzen. (Foto: Lea) |
| Der vorbeilaufende Herr im blauen Hemd ist übrigens Augustin, der "infirmier majeur", mit dem ich täglich zusammenarbeite. (Foto: Lea) |
| Leider ein nichts allzu gutes Foto. Es zeigt den Auszug der ganzen offiziellen Gäste, vor allem der traditionellen Dorfchefs und Vorstände von Organisationen. (Foto: Lea) |
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