Freitag, 28. Oktober 2016

And I will walk 500 miles…

…war ungefähr das Motto des letzten Wochenendes, an dem ein schon lang im Voraus organisierter Ausflug geplant war. Es sollte für alle nach Atakpamé und Badou gehen, und bis auf eine schlossen sich inklusive ein paar Jungs auch alle an. Schon vorher wurde uns bei einem Treffen mit allen das Programm für die zwei Tage vorgestellt und mal wieder etwas zu früh für einen Samstagmorgen sollte es um 5 Uhr losgehen. Frédéric, der alles organisiert hatte, hatte unter Anderem auch einen kleinen Bus organisiert, so ein typischer, wie sie hier alle umherfahren, mit dem wir alle mitfahren sollten. Nur kam der Busfahrer circa eine Stunde zu spät, und nachdem zunächst noch die andere WG abgeholt wurde, kam der Bus auch endlich bei uns an, sodass wir auf die togoische Art circa eine Stunde auf unseren gepackten Taschen saßen, obwohl wir diese doch lieber in den mangelnden Schlaf investiert hätten. Aber nachdem dann unsere Taschen auch recht schnell auf dem Dach des Busses verstaut waren, konnte es mit ein bisschen Verzug endlich losgehen. Zuvor wurde noch das Platzproblem geklärt, denn der Bus, der eigentlich für 15 Personen ausgelegt ist (und trotzdem nie mit nur 15 Personen besetzt ist) war für die anwesenden 20 Personen doch schon etwas eng – obwohl wir da noch nicht wussten, was noch auf uns zukommen würde…

Vor unserer WG wird das letzte Gepäck auf dem Dach verstaut (Foto: Stella)
Bis Atakpamé dauerte es in etwa 2 einhalb Stunden, wo unser erstes Ziel die Wohnung von Judith und Bernadette war. Das sind die zwei Freiwilligen, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit endlich auch in ihre endgültige Wohnung nach Atakpamé ziehen konnten und endlich nicht mehr aus dem Koffer leben müssen und anfangen können zu arbeiten. Bei den beiden angekommen gab es nach einer kurzen Wohnungsbesichtigung für alle ein ausgiebiges Frühstück, was jedoch auch bald schon von einem (verständlicherweise – er hat sich den ganzen Stress im Voraus angetan) etwas gestressten Frédéric beendet wurde, da wir weiterwollten, um im Programm nicht noch weiter in Verzug zu gelangen. Woran bis dato keiner gedacht hatte: Mit Judith, Bernadette und einem weiteren togoischen Freund der Jungs und der beiden Mädels, waren wir ja jetzt noch drei Personen mehr, die irgendwie im Bus untergebracht werden mussten – und schon auf der Fahrt nach Atakpamé klagte jeder zweite über eingeschlafene Körperteile. Als wir uns eigentlich schon so in den Bus gesetzt hatten wie vorher und aber dann natürlich noch Personen ohne Sitzplatz vor dem Bus standen, entschied sich der Busfahrer dazu, selbst Hand anzulegen, und die Sitzordnung im Bus eben etwas umzudisponieren. Dazu sagte er mir, ich solle doch nochmal kurz aufstehen, kurzerhand wurde in der Reihe hinter mir zwischen Cindy und Mara noch eine 10-Zentimeter-Lücke geschaffen, woraufhin er mir deutete, dass genau das jetzt mein neuer Sitzplatz werden würde. Kurz war ich etwas verwirrt, dachte zunächst, er wolle mich veräppeln, aber auf meine Verblüfftheit folgte die ernüchternde Einsicht, denn das war wohl sein Ernst. Also setzte ich mich eben in die Lücke – oder auch nicht in die Lücke, sondern vielmehr auf Cindys und Maras Schoß, denn in die Lücke passte ich nicht einmal mit einer Pobacke. Natürlich half der Fahrer persönlich noch etwas nach und versuchte, mich verzweifelt noch etwas tiefer in die Lücke zu drücken, bevor er sich dann mit meiner Sitzposition einfach zufrieden gab, und sich an die nächste Reihe machte. Erstaunlicherweise bekamen wir dann irgendwie tatsächlich alle Personen unter – obwohl, vielleicht nicht ganz alle: Der junge Mann, der wohl der Auszubildende des Fahrers war, musste aufs Dach zu unseren Taschen ausweichen und dort unsere Reise fortsetzen. Er hatte es vermutlicherweise wohl aber bequemer als wir alle in dem Bus, denn nachdem ich zunächst Angst hatte, meine beiden Sitznachbarinnen unter mir zu begraben, wuchs danach die Angst um deren Hüftknochen, die ich nicht zertrümmern wollte, als ich bei jedem Schlagloch auf der nun nicht mehr befestigten Straße tiefer und tiefer in die Lücke hineinrutschte. Nach 15 Minuten trauten wir uns dann doch, etwas zu sagen, da wir die angekündigte 3-stündige Weiterfahrt so auf jeden Fall nicht ausgehalten hätten. Also wurde unserer Reihe wieder eine Person entnommen und ganz nach vorne gesetzt, sodass wir zumindest wieder einigermaßen Luft zum Atmen hatten und dem Weg nach Badou außer ein paar über die Straße laufender Tiere nichts mehr im Wege stand.

Ich bin offensichtlich nicht sonderlich erfreut, in den Bus einsteigen zu müssen... (Foto: Stella)
Kurze Pinkel- und Beine-vertreten-Pause, bei solch einer Fahrt dringend mal nötig!

Über weiterhin holprige und sehr kurvige Straßen (ich bin überrascht und gleichzeitig natürlich froh, dass sich meine Reiseübelkeit eher in Grenzen gehalten hat) gelangten wir nach einer gefühlt 8-stündigen Fahrt in der Sauna endlich in die kleine Stadt Badou, wo wir als erstes vor einem großen Haus Halt machten, von dem wir zunächst dachten, es sei auch unsere Bleibe für die Nacht, doch hier bekamen wir nur unser Mittagessen. Gleich danach ging es auch schon weiter zu unserer tatsächlichen Unterkunft, die gar nicht weit entfernt war. Wir teilten uns schnell in die Zimmer auf, legten unsere Sachen ab und zogen uns dann auch schon um, damit wir ausgerüstet mit festen Schuhen, Badesachen und Handtüchern zum Hauptprogrammpunkt des Wochenendes kommen konnten: Los ging es zum Wasserfall von Badou, der „cascade d’Aklowa“! Um dorthin zu gelangen, mussten wir zunächst ein ganzes Stück laufen und für richtige Sportsmuffel wäre dieser Trip wohl eher nichts gewesen, denn es ging über Stock und Stein, bergauf, bergab, durch (oder über) den reißenden Fluss und das alles bei einer unglaublichen Luftfeuchtigkeit, die bewirkte, dass wir alle ganz schön ins Schwitzen kamen und das Wasser bereits am Körper lief, bevor wir uns nach einer guten Stunde endlich ins kühle Nass schmeißen konnten.

And I will... (Foto: Stella)

...walk 500 miles...

Wie ich finde, ein sehr bewegtes Bild, das einfach ganz viele Dinge aufgeschnappt hat, die unseren Weg zum Wasserfall ausgemacht haben: Hannah, die leider verletzt war und sich trotzdem tapfer geschlagen hat, wurde über das Wasser trotzdem immer Huckepack genommen, während Chris rechts im Bild versucht, sich die Füße nicht nass zu machen, während Sjard links im Bild wie wir alle ein bisschen auf Touri macht :)
Dort angekommen war außerdem allein der Anblick wirklich atemberaubend, von diesem wirklich nicht kleinen Wasserfall, der uns außerdem die Wucht des Wassers spüren ließ, vor allem, als wir zum Baden ins Wasser gingen. Man konnte sich einfach mit dem Rücken zum Wasserfall stellen und sich zurücklehnen, der Wind und die Wucht des Wassers verhinderten, dass man umkippte. Außerdem war das  Wasser unglaublich kalt, wahrscheinlich auch, weil es die Tage oder ein paar Stunden davor noch geregnet hatte. Nach einiger Zeit im Wasser wurde es dann doch auch zu kalt – wohl das erste Mal hier in Togo, dass ich richtig von „frieren“ reden konnte. Trotzdem war das eine überaus gelungene Abkühlung und wir hatten viel Spaß im Wasser, schossen ganz viele Fotos, bevor es dann auch bald schon wieder zurück ging, bevor die Sonne unterging. Auf dem Rückweg bekamen wir die untergehende Sonne dann sogar trotzdem zu sehen, was uns eine wirklich schöne Kulisse bot.

Hier war der Wasserfall schon langsam in Sicht...

...und hier konnten wir uns endlich im Wasser erfrischen... (Foto: Stella)
...und gaaanz viel Spaß zusammen haben :) (Foto: Stella)

Das war der Sonnenuntergang auf dem Weg zurück :)
Erschöpft und müde vom langen Tag kamen wir dann auch endlich alle wieder in unserer Herberge an, wo wir uns alle schnell wieder frisch machten, denn das Abendessen sollte auch nicht mehr lange warten. Frédéric hatte im Voraus mit ein paar Frauen aus dem Dorf abgesprochen, dass es an diesem Abend für die ganze Meute Fufu und Erdnusssauce geben sollte. Uns wurde sogar angekündigt, dass wir das Fufu selbst stampfen durften, aber da wir mit dem Programm ja schon den ganzen Tag im Verzug waren, gelang es uns auch abends nicht zum abgesprochenen Zeitpunkt bei den Frauen zu sein. Zudem bot Frédéric uns allen an, auch in der Herberge zu warten, wenn wir zu müde waren. Er würde das Essen mit ein paar, die noch nicht zu geschafft waren, holen und bringen, sodass wir alle zusammen essen könnten. Ihm schloss sich dann aber doch noch eine recht große Gruppe an, um mitzukommen und so wollte auch ich mitkommen, vor allem weil ich erfahren hatte, dass die Frauen noch nicht fertig waren und es so noch ordentlich etwas zu stampfen gab! Wir liefen also ein gutes Stück durch das Dorf, bevor das Geräusch des Stampfens schon deutlich ertönte. Dann durfte ich das Fufustampfen endlich auch mal ausprobieren! Es verlangt ordentliche Muskelkraft und Ausdauer, man kommt also schön schnell ins Schwitzen. Und da man immer zu zweit stampft, ist es auch gar nicht so einfach, als Ungeübter so leicht den Rhythmus zu finden. Nachdem jeder, der wollte, mal versucht hatte, packten wir uns alle Leckereien ein und kehrten zu den anderen zurück, die auch schon sehnlichst auf das Essen gewartet hatten. In gemütlicher Runde saßen wir dann zusammen und genossen das (zumindest teilweise) selbstgestampfte Fufu!

Auch ich habe endlich das erste Mal Fufu stampfen dürfen! Ich glaube, ich muss aber noch ein bisschen üben :)

Ich habe das Essen mal wieder seeehr genossen!
Anschließend wurde sogar noch ein Lagerfeuer hinter dem Haus angezündet, um das wir uns dann alle herum setzten und zunächst der Geschichte und dem Getrommel von einem der Jungs lauschten, bevor ein paar Meter weiter auch Musik angemacht wurde und sich bald alle auf die dort vorhandene Tanzfläche bewegten. Ich muss wirklich sagen, dass man hier unter Tanzen noch einmal etwas ganz anderes versteht, aber es einfach super viel Spaß macht, sich mit den Einheimischen zusammen zu den Rhythmen der Musik zu bewegen!

Alle zusammen um das Lagerfeuer - eine echt gemütliche Stimmung! (Foto: Stella)
Und so ließen wir den Abend ausklingen, bevor sich die einen früher, die anderen etwas später in Richtung Bett bewegten, um sich nach diesem anstrengenden Tag gut auszuruhen.
Am Sonntagmorgen wurde nämlich auch nicht sonderlich lang geschlafen. Um kurz nach 8 war Treffpunkt für alle, und auch wenn einige etwas später eintrafen, ging es für alle gemeinsam wieder zurück zu dem Haus, in dem wir am Tag zuvor auch unser Mittagessen erhalten hatten. Dort bekamen wir auf dem Balkon unser Frühstück mit wunderschönem Ausblick über die umliegende Landschaft!

Hier saßen wir am Sonntagmorgen dann alle zusammen auf dem riesigen Balkon und haben gefrühstückt. (Foto: Stella)

Den Ausblick durften wir während des Frühstücks von dort oben genießen!
Und obwohl an diesem Tag noch ein weiterer Programmpunkt, nämlich die Besichtigung einer Kaffee- und Kakaobohnenplantage, auf dem Plan stand, bekamen wir das zeitlich leider nicht mehr hin. Denn wir mussten uns zeitig wieder auf die Heimreise begeben, da auf den großen Straßen bei vollständiger Dunkelheit nicht mehr gefahren wird und ich bin mir sicher, dass sich die Möglichkeit einer solchen Plantagenbesichtigung bestimmt noch einmal ergibt. Nachdem wir Judith und Bernadette wieder sicher bei sich zu Hause in Atakpamé abgesetzt hatten, ging es für den Rest auch schon wieder zurück nach Lomé, wo wir genau rechtzeitig in der Abenddämmerung ankamen. Für meine WG gab es an diesem Abend nur noch ein schnelles Abendessen, bei dem wir das Erlebte noch einmal gemeinsam Revue passieren ließen und dann fielen wir alle auch schon recht schnell hundemüde in unser Bett. Schließlich stand ja der Start in die neue Woche bevor!

Insgesamt hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt und ich bin sehr froh, daran teilgenommen zu haben. Es macht einfach Spaß, zusammen mit den anderen, Togo Stück für Stück immer ein bisschen mehr zu erkunden. Natürlich war der Ausflug nur sehr kurz und man überlegt sich auch wirklich zweimal, ob man die lange Strecke und die dementsprechend nicht so angenehme Fahrt für solch einen kurzen Ausflug noch einmal in Kauf nimmt, aber ich persönlich kann sagen, dass es sich für mich gelohnt hat. Außerdem sind vielleicht schon weitere Ausflüge in Planung, bei denen wir dann etwas mehr Zeit einkalkulieren werden und dann auch nicht in Stress geraten. Ich freue mich drauf!

Und weil ich keine Künstlerin darin bin, gekonnte Übergänge zu finden, noch ganz kurz ein etwas abrupter Themenwechsel, für diejenigen, die es auch interessiert, wie es bei mir auf der Einsatzstelle vorangeht:
In letzter Zeit waren meine Chefs des Öfteren mal wieder bei uns im Zentrum, um diverse Sachen abzusprechen und zu planen. Ich hatte ja bereits von der geplanten Aufklärungsarbeit erzählt und nun kam konkret bei den Gesprächen heraus, dass jeden Mittwochnachmittag und jeden Freitagnachmittag zwei Stunden verwendet werden sollen, um einmal Aufklärungsarbeit zu bestimmten vorbereiteten Themen bei uns im Zentrum zu leisten und um außerdem Hausbesuche zu starten, und dort neben Aufklärungsarbeit auch medizinische Kontrollen, vor allem zu Bluthochdruck, zu machen. Wir besprachen, wie man vielleicht mit einfachen Mitteln noch bewirken könnte, dass bei den Leuten aus dem Umkreis, die das Zentrum zu solchen Aufklärungsanlässen besuchen, auch „etwas hängenbleibt“. Da viele (anscheinend sogar der Großteil) der Leute in Dorf und Umkreis wohl noch Analphabeten sind, haben wir überlegt, vielleicht trotzdem auf Plakaten bildlich zu unterstützen, was wir erklären werden. Wie genau der Ablauf dieser Nachmittage stattfinden soll, ist auch noch nicht klar und ich weiß auch noch nicht konkret, inwiefern ich eingebunden werde, aber das lasse ich dann auch einfach auf uns zukommen oder ich werde es vor den ersten Veranstaltungen einfach noch einmal ansprechen.

Zudem war schon seit der Eröffnung für den 26. Oktober der Impftag geplant, an dem alle 0-5 jährigen Kinder und auch schwangere Frauen aus dem Umkreis kostenlos ihre nötige Impfung erhalten sollten. Der Tag war ein voller Erfolg, es waren bestimmt 25 Kinder dort, die sich zusammen mit ihren Müttern ihre Spritzen haben geben lassen. Seit dem Tag weiß ich auch, was meine Mitbewohnerinnen immer meinen, wenn sie sagen, dass ständige schreiende Kinder um einen herum ziemlich anstrengend sein können, aber dennoch genoss auch ich den Trubel und war zwischendurch ganz entzückt, das ein oder andere Kind auf dem Arm zu halten, trösten zu können und auch wieder zum Lächeln bringen zu können. Schon am 30. November soll so ein Tag bei uns erneut stattfinden und ich bin gespannt, ob mit größerer Ankündigung in Kirchen, Moscheen sowie Schulen noch mehr Leute vorbeikommen werden!

So viel zum aktuellen Stand hier in Togo! Heute ist Freitag und gerade sind natürlich wieder die Jungs vorbeigekommen, die heute Abend wieder für uns kochen. Noch ist es eine Überraschung, was es geben soll, aber ich bin sicher, es schmeckt wie immer super!
Ansonsten freue ich mich auf das Wochenende, an dem ich hoffentlich mehr Schlaf abbekomme, als am letzten Wochenende, sodass ich wieder richtig ausgeruht in die neue Woche starten kann.

Bis dahin wie immer ganz, ganz liebe Grüße,

eure Valentina <3


P.S.: Irgendwie hat sich hier glaube ich die Regenzeit ein bisschen verschoben… Selbst die Einheimischen sagen ständig, wie ungewöhnlich das Wetter zurzeit ist. Und heute auf dem Nachhauseweg von der Arbeit (wo ich bei klarem Himmel gestartet bin) wäre ich fast in den Überschwemmungen Lomés ersoffen! Ich habe sowas zwar schon einmal gesehen, bisher aber nur im Fernsehen, wenn von irgendwelchen Überschwemmungen berichtet wurde. Hier darf ich das Ganze auch mal hautnah miterleben – auch das ist ein Erlebnis! Seht selbst!

So sahen die großen Straßen hier heute aus - wirklich Land unter!

Rechts sieht man, wie das Wasser aus dem Gulli am Straßenrand gerade wieder heraussprudelt.

Und hier auf dem letzten Stück bin ich dann barfuß nach Hause gelaufen (bevor ich meine Flipflops in dem See verliere), weil man mit dem Moto wirklich nicht mehr durchkam.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen